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Manchen Kindern fehlt die Orientierung im eigenen Wohn- und Schulumfeld. Ein Grund dafür ist, dass viele Wege heute nicht mehr aktiv begleitet oder unbegleitet zu Fuß, mit dem Roller oder Fahrrad zurückgelegt werden, wodurch wichtige Erfahrungen verloren gehen können, die Kindern helfen, ihre Umgebung kennenzulernen und sich sicher darin zu bewegen.
Genau hier setzen Kinderstadtpläne an. Sie helfen Kindern dabei, ihr Wohnumfeld kennenzulernen, Wege besser einzuschätzen und sich selbstständig und sicher im eigenen Grätzl zu bewegen. Ein besonders gelungenes Beispiel dafür ist der Kinderstadtplan Favoriten[1], der 2022 im Rahmen des WieNeu+-Programms gemeinsam von Eltern und Kindern zwischen vier und zehn Jahren entwickelt wurde.
In Workshops sammelten Familien wichtige Orte aus ihrer Lebenswelt: Schulen, Kindergärten, Spielplätze, Parks, Treffpunkte und markante Gebäude. Diese wurden anschließend als leicht erkennbare Illustrationen in eine Karte integriert. Dadurch entstand ein Stadtplan, der sich deutlich von klassischen Karten unterscheidet: Er orientiert sich an der Wahrnehmung von Kindern.
Kinder suchen beim Kartenlesen nicht zuerst nach Straßennamen oder Himmelsrichtungen. Sie orientieren sich an vertrauten Orten, indem sie sich fragen: „Wo ist meine Schule, wo wohne ich?“ oder: „Wo ist der Spielplatz und wo fährt die Straßenbahn?“ Erst über diese vertrauten Bezugspunkte entwickelt sich bei ihnen ein Verständnis für räumliche Zusammenhänge und Wege im Stadtteil.
Der Kinderstadtplan Favoriten zeigt deshalb nicht nur Freizeitangebote und Bildungseinrichtungen, sondern auch wichtige Elemente für sichere Mobilität, wie Ampeln und baulich getrennte Radwege.
[1] https://wieneuplus.wien.gv.at/kinderstadtplan-favoriten

Unsere Tipps für Sie:
Nutzen Sie den Sommer, um mit ihrem Kind die eigene Wohnumgebung, das Schulumfeld und den Schulweg zu erkunden. Sichere Schulwege beginnen nicht erst kurz vor der Schule, sie beginnen dort, wo Kinder ihre Umgebung verstehen, sich orientieren können und sich sicher genug fühlen, ihren Weg selbst zu gehen und auf die verkehrsrelevanten Dinge zu fokussieren, weil die Orientierung keine Aufmerksamkeitsressourcen mehr benötigt. Kinder, die ihr Umfeld kennen, können Wege besser einschätzen und entwickeln mehr Sicherheit im Straßenverkehr.
Helfen Sie Ihrem Kind durch das Kennenlernen des eigenen Umfeldes, den eigenen Sozialraum zu erschließen, statt ihn zwischen einzelnen „Inseln“ zu erleben. Mehr zum Thema Sozialraumorientierung können Sie auch hier nachlesen.