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Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang und möchten ihre Umwelt aktiv erleben. Besonders das Radfahren spielt dabei eine große Rolle. Doch viele erreichen nicht die von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen täglichen Bewegungszeiten. Das wirkt sich nicht nur auf die Gesundheit, sondern auch auf die motorische Entwicklung aus: Koordination, Gleichgewicht und Reaktionsfähigkeit sind schwächer ausgeprägt. Eine aktuelle Studie der Universität für Bodenkultur Wien zeigt deutlich, wie wichtig gezieltes Radtraining für Entwicklung, Selbstständigkeit und einen sicheren Schulweg ist. [1]
Kinder wollen Rad fahren – aber können sie es auch?
Über 90 % der befragten Kinder aus Niederösterreich fanden Radfahren „cool“ oder „gut“, der Roller wurde von 70 % positiv bewertet und zu Fuß gehen von 65 %. Das Auto und öffentliche Verkehrsmittel schnitten dagegen deutlich schlechter ab: Nur 22 % bewerteten das Auto und mehr als 38 % Bus und Bahn als „okay“ oder besser (siehe Grafik, Balken 3).
Ein Blick auf den Unterschied zwischen Wunsch (wie die Kinder gerne zur Schule kommen würden) und Realität (wie sie tatsächlich kommen) zeigt: Fast 60 % der Kinder würden am liebsten mit dem Fahrrad zur Schule fahren (siehe Grafik, Balken 2). Tatsächlich nutzen jedoch nur 14 % das Fahrrad regelmäßig für den Schulweg, 3 % „fast immer“, 11 % „oft“, 25 % „manchmal“ und 61 % „nie“ (siehe Grafik, Balken 1).
[1] Stark, J.; Meschik, M. (2024). On the Road to Safety: Examining Children’s Cycling Skills and Physical Activity Levels. Children 2024, 11, 1556. https://doi.org/10.3390/children11121556.

Die Gründe dafür liegen nicht nur in der Infrastruktur, sondern auch in den Fähigkeiten der Kinder: Besonders Linksabbiegen, Slalomfahren und Notbremsen bereiten ihnen Schwierigkeiten. Laut Stark & Meschik (2024) sind gerade diese Manöver für die Sicherheit im Straßenverkehr besonders relevant, da sie fast bei jeder Fahrt benötigt werden. Diese Manöver erfordern allerdings gute psychomotorische Koordination, Gleichgewicht und schnelle Reaktionen. Ein zusätzliches Risiko für die Verkehrssicherheit zeigt sich in dem Ergebnis, dass Kinder ihre Fähigkeiten oft überschätzen, was bei mangelnder Fähigkeit das Risiko im realen Verkehr erhöht und den Bedarf an gezieltem Training unter Aufsicht von Erwachsenen verdeutlicht.
Bewegung macht stark – auch auf dem Rad
Kinder, die körperlich aktiver sind, zeigten tendenziell bessere Radfahrfähigkeiten. Auch wenn die Zusammenhänge in der Studie nicht durchgehend signifikant waren, zeigt sich deutlich: Bewegung im Alltag stärkt die psychomotorischen Fähigkeiten und damit auch die Sicherheit auf dem Fahrrad. Eltern berichteten zudem, dass ihre Kinder an Tagen mit aktiver Mobilität zufriedener, ausgeglichener und konzentrierter sind. Umgekehrt wirkt sich mangelnde Bewegung durch z.B. passive Fortbewegung im Auto eher negativ auf Stimmung und Verhalten aus.
Radtraining wirkt sofort – aber Übung ist entscheidend
Schon kurze Trainings führten in der Studie zu deutlichen Verbesserungen, vor allem bei den schwierigen Manövern (übereinstimmend mit älteren Studien, etwa Ducheyne et al., 2013).[2] Das zeigt, wie wirksam strukturierte Übungseinheiten sind. Entscheidend ist jedoch die Kontinuität: Fertigkeiten wie sicheres Abbiegen oder korrektes Bremsen müssen regelmäßig wiederholt werden, bis sie automatisiert sind. Aus entwicklungspsychologischer Sicht braucht es dafür Wiederholung, positive Erfahrungen und die Sicherheit, auch Fehler machen zu dürfen.
[2] Ducheyne, F.; De Bourdeaudhuij, I.; Lenoir, M.; Cardon, G. Does a cycle training course improve cycling skills in children? Accid. Anal. Prev. 2013, 59, 38–45.
Unsere Tipps für Sie:
Beobachten Sie Ihr Kind aktiv beim Radfahren und achten Sie darauf, wie sicher es anfahren, bremsen und abbiegen kann.
Kinder überschätzen oft ihre Fähigkeiten, deshalb ist es hilfreich, schwierige Manöver wie Linksabbiegen, Slalom oder Notbremsungen gezielt auf einem sicheren Platz zu üben, bevor man im realen Straßenverkehr fährt.
Regelmäßige Übung ist entscheidend. Integrieren Sie kurze Radtouren in den Alltag, nicht nur am Wochenende. So festigen sich motorische Fertigkeiten und Kinder gewinnen Sicherheit.
Fahren Sie die Schulstrecke mehrmals gemeinsam ab und besprechen Sie mögliche Gefahrenstellen. Auf diese Weise können Kinder lernen, Situationen richtig einzuschätzen und selbstständig Entscheidungen im Verkehr zu treffen.
Akzeptieren Sie das individuelle Tempo Ihres Kindes. Geduld und positive Bestärkung sind hier wichtiger als Druck. Durch kleine Erfolgserlebnisse wächst das Selbstvertrauen und die Freude am Radfahren.