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In der neuen Mobilitäts-App „Siehst du wirklich, was ich sehe?“ werden anhand unterschiedlicher Perspektiven von Verkehrsteilnehmer:innen mögliche Gefahren in Video- und Bildmaterial anschaulich gezeigt. Es wird sowohl auf mögliche Gefahrensituationen hingewiesen als auch das richtige Verhalten gezeigt.


Drei Blickwinkel – eine Situation

Video: Das Videobeispiel der Mobilitäts-App zeigt vergleichend die Perspektive einer erwachsenen Fußgängerin, eines 6-jährigen und eines 10-jähriges Kindes an derselben Kreuzung. Alle drei tragen eine Headcam und blicken am Zebrastreifen nach links und rechts. Was sie sehen und wie sie den Verkehr wahrnehmen, unterscheidet sich deutlich (Videocredit: © sicher unterwegs).

Während die erwachsene Person die Kreuzung als Gesamtsystem erfasst, nehmen Kinder abhängig von ihrem Entwicklungsstand andere Ausschnitte wahr. Diese Unterschiede sind entwicklungspsychologisch erklärbar.

Perspektive des 6-jährigen Kindes

Für ein 6-jähriges Kind bestehen mehrere entwicklungsbedingte Herausforderungen. Das Gesichtsfeld beträgt nur etwa 70 bis 110 Grad und ist damit deutlich kleiner als bei Erwachsenen (siehe Video). Auch das Gehör wird im Straßenverkehr noch nicht zuverlässig zur Orientierung genutzt, sodass eine Kreuzung nur ausschnitthaft wahrgenommen wird.

Aufgrund der geringen Körpergröße kann das Kind leicht übersehen werden, etwa zwischen parkenden Fahrzeugen oder neben größeren Verkehrsteilnehmer:innen. Ablenkungen durch andere Kinder oder große Fahrzeuge binden die Aufmerksamkeit stark. Zudem fällt es schwer, die Absichten anderer richtig einzuschätzen, etwa ob ein Fahrzeug anhält oder abbiegt.

Eine enge Begleitung durch Erwachsene ist daher wesentlich. Sie strukturieren die Situation, halten das Kind in der Nähe und sorgen durch auffällige oder reflektierende Kleidung für bessere Sichtbarkeit.

Perspektive des 10-jährigen Kindes

Mit zehn Jahren ist das Gefahrenbewusstsein weiterentwickelt. Kinder beobachten Verkehrssituationen strukturierter und denken erste Entwicklungen voraus, dennoch bleiben Unfallgefahren bestehen.

Sichtbarkeit ist weiterhin zentral: Auch ein 10-jähriges Kind kann im Kreuzungsbereich übersehen werden. Zudem können andere Kinder oder auffällige Verkehrsteilnehmer:innen vom Verkehr ablenken. Begleitung bleibt sinnvoll: Erwachsene reflektieren mit dem Kind die Situation, fördern die Selbstständigkeit und achten auf geeignete Kleidung.

Dieselbe Kreuzung – unterschiedliche Verkehrswelt

Abbildung: Drei Kinder und eine Erwachsene an derselben Kreuzung. Jede:r nimmt den Verkehr unterschiedlich wahr, je nach Entwicklungsstand, Foto: © Mag. Alek Kawka / sicher unterwegs

Das Video in der App verdeutlicht: Kinder sehen dieselbe Kreuzung, aber nicht dieselbe Verkehrswelt. Ihre Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Gefahreneinschätzung unterscheiden sich je nach Entwicklungsstand deutlich von Erwachsenen. Deshalb brauchen sie mehr als Regelwissen, nämlich Aufmerksamkeit, Übung und begleitende Unterstützung.

Glühbirne

Unsere Tipps für Sie:

Begleiten Sie jüngere Kinder und übernehmen Sie an komplexen Kreuzungen klar die Führung. Beschreiben Sie laut, was Sie wahrnehmen, und helfen Sie Ihrem Kind, die Situation Schritt für Schritt zu strukturieren. So lernt es, relevante von irrelevanten Reizen zu unterscheiden.

Bei älteren Kindern sollten Situationen zunehmend gemeinsam analysiert werden. Fragen wie „Wer könnte uns hier übersehen?“ oder „Was macht das Fahrrad neben dem Lkw?“ fördern nicht nur die Verkehrssinnbildung, sondern auch das vorausschauende Denken. Gleichzeitig bleibt es wichtig, auf gute Sichtbarkeit zu achten und Ablenkungen bewusst zu thematisieren und bewusst zu minimieren.

Die App macht deutlich: Entwicklung verläuft stufenweise. Ein durchschnittlich geübtes 10-jähriges Kind ist im Regelfalls (verkehrs-)kompetenter als ein durchschnittlich geübtes 6- jähriges aber beide brauchen Begleitung, Übung und Erfahrung, um sich sicher im Straßenverkehr bewegen zu können.

Bilder: © Mag. Alek Kawka / sicher unterwegs