Zum Hauptinhalt springen

Kinder bewegen sich im Straßenverkehr anders, als wir Erwachsene es erwarten würden. Zwischen dem sechsten und zehnten Lebensjahr machen sie zwar große Entwicklungsschritte, doch viele motorische und kognitive Fähigkeiten sind nach wir vor noch in Entwicklung Das betrifft genau jene Bereiche, die für das sichere Überqueren einer Straße wichtig sind. Die aktuelle Forschung[1] zeigt deutlich, dass Kinder hier noch viel Unterstützung brauchen.

Der vorliegende Beitrag basiert auf Ergebnissen des vom Österreichischen Verkehrssicherheitsfonds geförderten Forschungsprojekts KISIMO – Entwicklung eines infiniten Kindermodells für Unfallanalysen, Verkehrssimulationen und Mobilitätsbildung.[2]

In Verhaltensbeobachtungen zeigte sich, dass Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren deutliche Schwierigkeiten beim Anhalten an der Gehsteigkante, beim Links-Rechts-Links Schauen und beim richtigen Queren haben. Zwischen den Altersgruppen gab es dabei keine wesentlichen Unterschiede. Das bedeutet: Die Verkehrskompetenz verbessert sich im Volksschulalter nicht automatisch – auch wenn viele Erwachsene das annehmen.

Die Studie macht klar, dass verkehrsrelevante Fähigkeiten nicht einfach „mit dem Alter kommen“, sondern über Jahre hinweg bewusst gelernt und geübt werden müssen.

Kinder schätzen das Überqueren einer Straße zudem anders ein als Erwachsene. Sie konzentrieren sich häufig auf ihren Nahbereich und beobachten den Verkehr insgesamt weniger. Geschwindigkeit und Abstand herannahender Fahrzeuge werden auch dadurch oft falsch eingeschätzt. Dazu kommt, dass Kinder erst am Ende der Volksschulzeit durch die Entwicklung des tiefenperspektivischen Sehens Geschwindigkeiten und Distanzen gut einschätzen können. Unfallanalysen zeigen, dass Kinder ihren Querungsvorgang häufig in sehr knappen Zeitfenstern beginnen. Für Fahrzeuglenker:innen bleibt dann, vor allem bei plötzlichem Hervortreten hinter Hindernissen, nur wenig Zeit zu reagieren.

Diese Verhaltensweisen sind insbesondere bei jungen Volksschulkindern keine Absicht oder Unachtsamkeit, sondern Ausdruck der altersbedingten Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsentwicklung.

Bewegungsanalysen zeigen, dass sich Geh- und Laufgeschwindigkeit mit dem Alter erhöhen, beim Gehen verkürzen sich zudem Anhaltezeit und Anhalteweg. Beim Laufen hingegen blieben die Anhaltewege über alle Altersgruppen hinweg ähnlich – der Effekt der besseren Bewegungskontrolle wird durch die höhere Geschwindigkeit kompensiert.

Bewegungsmessungen im Rahmen des Projektes KISIMO – Entwicklung eines infiniten Kindermodells für Unfallanalysen, Verkehrssimulationen und Mobilitätsbildung
Bild: © Martin Nußbaum, Titelbild: © Martin Nußbaum

Was das für den Alltag bedeutet

Kinder brauchen klare Regeln für richtiges Verhalten im Straßenverkehr, viel Übung und eine verlässliche Begleitung. Eltern und Pädagog:innen sollten Kinder über die gesamte Volksschulzeit hinweg beim Training sicheren Verhaltens im Straßenverkehr unterstützen.

Regelmäßiges gemeinsames Üben – etwa am Schulweg – hilft, Blick- und Anhalteverhalten zu festigen. Gleichzeitig sollten Erwachsene immer damit rechnen, dass Kinder spontan handeln oder Gefahrensituationen anders wahrnehmen als erwartet.

Eine ruhige Begleitung, feste Routinen beim Überqueren und das gemeinsame Besprechen konkreter Situationen sind dabei zentrale Bausteine.

Verkehrserziehung wirkt am besten, wenn sie kontinuierlich stattfindet. Denn die Studie zeigt deutlich: Verkehrskompetenz verbessert sich nicht automatisch mit dem Alter – sie muss gelernt und begleitet werden.

[1] Schützhofer, B.; Söllner, M.; Rathgeber, F.; Krammer-Kritzer, B.; Tomasch, E.; Hoschopf, H.; Schneider, B.; Plank, M.; Glaser, H.: Kindliches versus erwachsenes Bewegungsverhalten – Implikationen eines neu entwickelten Kinder- Fußgänger:innen-Bewegungsmodells für die Verkehrssicherheitsarbeit, Zeitschrift f. Verkehrssicherheit 71, (2025) Nr. 4, S. 205–219.
[2] Downloadbar unter: https://www.bmimi.gv.at/dam/jcr:685f9051-97fc-4cc8-be44-2e07456c9764/KISIMO_Endbericht_UA.pdf
Eine erwachsene Person erklärt einem Kind am Zebrastreifen die richtige Blickrichtung vor dem Überqueren der Straße.
Bild: © Richard Reichhart

Glühbirne

Unsere Tipps an Sie:

  • Sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Kind über den sicheren Schulweg.
  • Üben Sie das bewusste Anhalten und Schauen – besonders zu Schulbeginn am besten täglich.
  • Führen Sie Ihr Kind auf der vom Verkehr abgewandten Seite.
  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind vor dem Queren Blickkontakt mit Fahrer:innen aufnimmt.
  • Vermitteln Sie klare, einfache Schritte: stehen bleiben – links– rechts – links schauen – zügig über die Straße gehen.

Auch Pädagog:innen können viel beitragen, indem sie Bewegungskontrolle durch Übungen zum Stoppen bei einem bestimmten Signal in den Unterricht einbauen oder das Beobachten und Einschätzen von unterschiedlichen Geschwindigkeiten z.B. bei Bewegungsspielen fördern.